CINEMATHEK: AGENT 00 – DIE LIZENZ ZUM TOTLACHEN

Spy Hard, USA, 1996
Regie: Rick Friedberg
81 Minuten, FSK: zwölf Jahre

Alle Jahre wieder machen es sich die Berufenen des Films zur Aufgabe, eine Komödie zu produzieren, die mit den bekanntesten Szenen neuerer Klassiker jongliert und dieses zeitweilig unterhaltende Sequenzen-Mosaik zur eigenständigen Story erklärt. In diesem Jahr heißt das Ergebnis komödiantischer Bemühungen „Agent 00“, seines Zeichens ehrerhaltender Nachfolger diverser „Hot Shots“ und „Nackter Kanonen“, seit nunmehr einer Woche in den Kinos zu sehen und von der Filmwerbung als „Kultlacher“ gepriesen. Zum Kult allerdings fehlt hier die Größe, zum ausgiebigen Lachen der Anlaß. Einem James-Bond-Film entsprechend aufgebaut, kocht der Schwank ein Gebräu aus „True Lies“ und „Pulp Fiction“, oft auf Sparflamme erheiternd, vereinzelt gut pointiert, nie lang-, aber auch selten besonders kurzweilig.
Leslie Nielsen übernahm mit dem Charakter des Agentens Dick Steele eine auf ihn abgestimmte Rolle: Klamauk, Slapstick und große Sprüche zeichnen den zwischen Dummheit und Scharfsinn stehenden Helden aus. Steele ist ein Spielball von Explosionen, Frauen und seiner Chefetage. Er handelt meist nicht besonders überlegen, aber erst einmal in Fahrt gekommen, erstarkt er zu seiner wahren Größe: Er besitzt den längsten Arm der Welt, zeigt sich als besonders aktiver Liebhaber und verfügt über ein Heer von Schutzengeln: Explosionen finden neben ihm statt, auf ihn gerichtete Waffen haben keine Chance, ihn auch zu treffen, Bösewichte müssen an ihren Racheplänen kläglich scheitern. „Agent 00“ kombiniert Schwaches mit allerlei Schrägem, wobei die Geschichte natürlich zur absoluten Nebensache erklärt wird.
Nach dem Strickmuster aller Bondfilme kämpft Steele unter Zuhilfenahme der Weiblichkeit gegen einen gemeinen Weltzerstörer und etabliert sich als siegreicher, durch die Filmgeschichte hechelnder Machotyp. Er bringt einen dahinbrausenden Bus mittels Handbremse zum Stehen, schaltet Verbrecher aus, indem er mit einem aus Pappkarton gefertigten Düsenflugzeug zum Angriff startet und schleudert schießwütige Frauen mittels Klappbett hinter die Kulissen. Weder „Speed“ noch „Sister Act“ bleiben verschont, wenn er die Welt zu retten beginnt. Die bekanntesten Szenen von „Kevin allein zu Haus“ und „Pulp Fiction“ finden sich – in kurioser Abwandlung – ebenso wie eine fast vollständige Neubearbeitung von „True Lies“ wieder; begeisterten Cineasten bereitet es sicherlich Freude, anhand von Kleidung und Aktion weitere Filme zu identifizieren, mit denen sich die Klamaukcrew ausgiebige Späße erlaubt.
Ob der Filmtitel „Agent 00“ die Nähe zu „007“ ausdrücken oder eher der Eignung als Denkstoff für stille Örtchen Nachdruck verleihen möchte, bleibt offen. Sicher allerdings ist, daß ein Teil der 90-Minuten-Witz-Terrine inniges Schmunzeln hervorruft, selten aber lauthalses Lachen provozieren wird. Eine Komödie, die sich selbst als letzte ernstnimmt, verfolgt einen netten Ansatz, hinterläßt aber keinen bleibenden Eindruck – dessen ist sie weder fähig noch willens.
Hinzu kommt, daß Nielsens Rolle mittlerweile zu bekannt ist, als daß sein Pflichtauftritt noch Garant für sprühenden Witz wäre. Sein erster Satz in „Agent 00“ lautet „so fertig war ich noch nie.“ Er meint mit fertig „bereit“, wir verstehen das Wort als Synonym für „am Ende, erschöpft sein“ und geben Nielsen recht: So fertig war er noch nie. (jr)