CINEMATHEK: EIN (UN)MÖGLICHER HÄRTEFALL

Intolerable Cruelty, USA, 2003
Regie: Joel und Ethan Coen
100 Minuten, FSK: zwölf Jahre

Einen un-möglichen Titel hat er von den deutschen Übersetzern bekommen, „Intolerable Cruelty“ von Joel und Ethan Coen, jene zwei virtuosen Filmemacherbrüder, die uns schon mit Filmperlen wie „Fargo“, „Barton Fink“ oder „O Brother, Where Art Thou?“ beglückt haben. Obwohl Drehbuch und Story nicht gänzlich aus ihrer Feder stammen: Mit Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano als Co-Autoren sitzen verdammt viele Köche um den Brei – dass dieser aber dennoch nicht verdorben wird, beweist wieder einmal die Souveränität der Gebrüder Coen, die mit ihrer Screwball-Komödie auch das erfüllen, was die Filmplakate anpreisen: „Ein (un)möglicher Härtefall“ ist eine romantische Komödie mit Biss.
George Clooney spielt den zahnfetischistischen Scheidungsanwalt Miles Massey – und er ist der Beste in seinem Metier: Der absolut wasserdichte Massey-Ehevertrag, den er selbst ausgearbeitet hat, macht einen Strich durch alle zwielichtigen Vorhaben geldhungriger Abzocker-Ehefrauen: „Only love is in mind – when the Massey is signed“, ihn zu unterschreiben, bedeutet wahre Liebe.
Und das ist genau das, was dem reichen, von Erfolg übersättigten Anwalt fehlt – und was er finden könnte, in Marylin Rexroth, gespielt von Catherine Zeta-Jones, die femme fatale, die mit ihrer starken Performance soviel Sex-Appeal ausstrahlt wie seit „Verlockende Falle“ nicht mehr. Sie spielt die baldige Ex-Frau eines Klienten von Massey, Rex Rexroth, ein stinkreicher Immobilienunternehmer, der sich vor dem Scheidungsgericht des Ehebruchs gegenüber seiner – natürlich erschütternden – Ehefrau verantworten muss.
Und obwohl es handfeste Beweise auf Video gegen ihn gibt, zieht der smarte Anwalt seinen Kopf aus der Schlinge – und Marylin Rexroth geht leer aus, in diesem wahrlich absurden Prozess: „Einspruch, Euer Ehren – Würgen eines Zeugen!“
Massey aber, hat die Rechung ohne den Wirt gemacht: Selbst in die verführerische Ex-Rexroth verliebt, wird er Opfer einer grandiosen Intrige, die sie gegen ihn spinnt, denn sie heiratet gleich darauf den Ölbaron Howard Doyle, von Doyle Oil – gespielt von Coen-Freund Billy Bob Thornton -, und treibt den immer eifersüchtiger werdenden Miles Massey fast in den Wahnsinn.
Aber selbst, als er die endlich heiraten kann – Howard Doyle von Doyle Oil war natürlich Teil der Intrige – und eigenhändig seinen Massey-Ehevertrag unterschreibt, muss auch er größte Anstrengungen betreiben, um Amors Pfeilen auszuweichen.
„Ein (un)möglicher Härtefall“ verweist insbesondere durch seine Figurenkonstellation und seine skurrilen Wendungen auf die Screwball-Komödien und ihre Meisterregisseure Howard Hawks oder George Cukor, und lebt besonders vom wohl perfekten Leinwand-Paar: George Clooney und Catherine Zeta-Jones. Aber auch der restliche Stab spricht für sich: Geoffrey Rush („Shine“) und Billy Bob Thornton („U-Turn“) liefern trotz kleiner Rollen urwitzige Performances ab und die Musik von Carter Burwell passt perfekt zur völlig übertriebenen Inszenierung.
Der ‚Coen-Touch’ aber, jene Mischung aus pechschwarzem Humor und Groteske, schimmert in nur wenigen Szenen durch – das Prädikat ‚typisch Coen’ vermag er sich nicht zu verdienen. Bei acht Produzenten und fünf Drehbuchautoren, die alle ihren Senf dazu gegeben haben, lässt sich auch schwerlich etwas Individuelles erschaffen.
„Ein (un)möglicher Härtefall“ aber, ist auch gar nicht als typischer Coen-Film konzipiert, sondern war von Anfang an als Mainstream-Projekt vorgesehen, das durch den eigenwilligen Stil und das Renommée von Joel und Ethan Coen künstlerisch veredelt werden sollte. Der Film, der im Übrigen voll gepackt ist, mit pfiffigen und irrwitzigen Dialogen – deutsche Autoren könnten sich da mal ein Scheibchen von abschneiden -, versucht sich also am nicht unschweren Ziel, gleichzeitig ein Massen- und im weitesten Sinne ein „Art-House“-Publikum anzuziehen – und das gelingt ihm eigentlich ganz gut, vorausgesetzt man geht ins Kino, um sich zu amüsieren, und nicht des Kunstgenusses halber.
Sicherlich, beinharte Coen-Fans werden ein wenig enttäuscht sein, über ihr neuestes Werk – nicht ansatzweise kommt er heran an „Fargo“ oder „Barton Fink“. Aber wenn man die Klasse, in der er spielt, in Betracht zieht – die romantic comedy -, dann kann man wirklich den Hut ziehen vor diesem Film. „Ein (un)möglicher Härtefall“ von Joel und Ethan Coen bleibt zwar hinter den Erwartungen, die in die beiden Regiebrüder gesteckt wurden, zurück, bildet aber einen schönen Kontrapunkt in der lauen Welt der romantischen Komödie.
(pk)