CINEMATHEK: I, ROBOT

I, Robot, USA, 2004
Regie: Alex Proyas
120 Minuten, FSK: zwölf Jahre

Der „Bad Boy“ als Roboter-Killer

Er hat lange nichts mehr von sich hören lassen, der Regisseur Alex Proyas, seit seinem phänomenalen und landläufig weit unterschätzten Science-Fiction-Noir „Dark City“ von 1998 und der vier Jahre darauf folgenden gefloppten Outback-Musik-Komödie „Garage Days“ – beide hatte er selbst geschrieben. Nun setzt er den neuesten Will Smith Action-Streifen diesmal nur als Regisseur in Szene und kehrt wieder in das Genre der Raumschiffe und Roboter zurück. Besonders letztere sind von tragender Bedeutung für den Film, was nicht zuletzt am Titel liegen mag: „I, Robot“ nennt sich der neue Blockbuster aus dem Hause 20th Century Fox.
Die Geschichte lehnt sich vage, äußerst vage, an Isaac Asimovs Erzählung an: Im Abspann steht lediglich „suggested by Isaac Asimov’s book“ (vorgeschlagen von) – immerhin ehrlich. Die Handlung nämlich ist eher dünn gehalten und gibt damit den Machern und Erzählern reichlich Spielraum für Effekte und Action: Der Polizist John Spooner, gespielt von Will Smith, leidet seit einem Autounfall im Jahre 2035 an einer zwanghaften Aversion gegen jede Art von Roboter und lässt keine Möglichkeit außer Acht, zu überprüfen, ob diese eigentlich so nützlichen Konstruktionen nicht doch dazu fähig sind, zum Beispiel einen Mord zu begehen. Davon nämlich gibt es einen, und der einzige, der ihn begangen haben könnte, ist ein elektronischer Täter, obwohl die Roboter dieses Film-Universums so programmiert sind, dass sie dem Menschen nie Schlechtes antun würden.
Filme aber funktionieren anders. Hier zählt einzig Murphys Gesetz: Alles was justierbar ist, gerät außer Justage. So kommt es auch hier: Will Smith erfährt durch eine etwas an den Haaren herbei gezogene Hänsel-und-Gretel-Brotkrumen-Strategie des umgebrachten Wissenschaftlers Alfred Lanning (James Cromwell), dass eine neue Baureihe von Robotern, die an so gut wie jeden Haushalt der zukünftigen Erde ausgeliefert werden, mit dem Ziel umprogrammiert wurden, die Menschheit „zu ihrem eigenen Schutz“ zu unterjochen. Grund genug also für John Spooner, einzugreifen.
Allerdings gestaltet sich das welt-retterische Unterfangen schwieriger, als er dachte, dann außer der etwas steifen, aber durchaus attraktiven Roboter-Forscherin Susan Calvin (Bridget Moynahan) will ihm die Verschwörungs-Fabel niemand abkaufen – und wieder einmal ist ein Mann gezwungen, die Welt im Alleingang vor einer Invasion zu retten…
Ein eingefleischter Fan von Will Smith sollte man besser sein, damit die obligatorischen coolen Sprüche, die dem Zuschauer alle fünf Minuten in mäßiger bis teilweise witziger Qualität eingeflößt werden, nicht nach einer kurzen Weile auf die Nerven gehen. Selbiges gilt für sein Spiel, denn „I, Robot“ kommt nicht mit der selbstironisch-gemütlichen Distanziertheit der „Bad Boys“-Filme daher, sondern gibt sich streckenweise betont ernster – gerade an diesen Stellen scheint Smith gelegentlich überfordert und kann nicht ganz überzeugen.
Auch der Rhythmus des Films leidet teilweise unter den manchmal allzu überladenen Action-Szenen, so dass die sowieso „unkomplizierte“ Story noch langsamer voran schreitet. Dafür sind die visuellen Effekte, mit denen der Streifen aufwarten kann, natürlich wieder state-of-the-art – was ja für große Sci-Fi-Filme sozusagen Voraussetzung ist –, ein bisschen weniger Schleichwerbung hätte aber nicht geschadet.
Die drohende Kritik des Matrix-Abklatsches wird sich „I, Robot“ zwangsläufig gefallen lassen müssen, denn die Grundproblematik ist nahezu dieselbe – vielleicht lohnt gerade deshalb ein kleiner Vergleich: Während in „Matrix“ Neo erfahren muss, dass die Roboter bereits die Herrschaft über die Menschheit innehaben, muss Spooner in „I, Robot“ die Menschheit davor bewahren, dass es soweit kommt – der Film könnte also als eine Art Prequel gelesen werden. Die Zukunftsvision, die beide Filme in Bezug auf die künstliche Intelligenz zeichnen, ist in beiden Fällen auffällig negativ: Maschinen sind zwar einerseits hilfreich, und ohne sie kommt der Mensch nicht aus, und doch verselbständigen sie sich und bedrohen die menschliche Spezies – beide Filme kommen nicht ohne dieses Dilemma aus, und keiner der beiden bietet eine befriedigende Lösung – viel wichtiger aber, so hat es den Anschein, ist das Problem selbst.
„I, Robot“ zeichnet ein durchaus interessantes Welt- und Menschen-Bild in der Mitte des 21.Jahrhunderts; er bietet zwar nichts Neues, dafür aber Altbekanntes in guter Qualität und ist für einen lauen Sommerabend die genau richtige Unterhaltung.
(pk)