CINEMATHEK: ROMEO MUST DIE

Romeo must die, USA, 2000
Regie: Andrzej Bartkowiak
115 Minuten, FSK: 16 Jahre

Es grenzt nicht an, es ist Verpackungsschwindel: Dieser frische Titel verspricht eine Literaturverfilmung, die nicht zugleich in eine Verformung der Vorlage ausartet, sondern eigenes Leben mitbringt: „Romeo must die“, wer hätte da nicht auf eine wundersam mülltonnenbrennende Hart-Welt-Variante der Shakespeare-Tragödie getippt? Doch übrig bleibt nicht mehr als ein wenig postmoderne Zitat-Asche von „Romeo und Julia“.
Um es vorwegzunehmen: Regiedebütant Andrzej Bartkowiak hat eine grauenhaft lineare Harte-Jungs-Unmöglichkeit gewagt, die auch noch Witz in ihrer Shakespeare-Plünderung wähnt. Dabei hätte aus der Totenschändung leicht eine „Ost-trifft-West“-Bereicherung werden können; immerhin spielt der Film mit Multi-Kulti-Motiven, ist also durchaus auf der Höhe einer Zeit, die sich dem Begriff „Kultur“ unbefangener nähert als jede vorangegangene Epoche. Geblieben ist hier allerdings nur Sado-Trash im Lichte ethnischer Minderheiten.
Die Fronten sind vorgezeichnet: Anglo-Afrikaner und Chinesen teilen sich das profitable Hafenviertel der kalifornischen Stadt Oakland relativ friedlich, bis die National Football League in der Gegend ein gewinnversprechendes Stadion bauen möchte, und daher bei beiden Fraktionen ein Wettlauf um freie, sprich: freizuschießende, Grundstücke erwächst. Ab dann liefern sich Harakiri und Brooklyn einen Kampf der Kulturen, bei dem neben allerlei Schmierengesellen letztlich auch die ganze Geschichte auf der Strecke bleibt.
Misstrauen gegenüber dem transkulturellen Vorhaben stellt sich eigentlich schon im Vorspann ein: MTV-Kameraführung und Hiphop-Ideale mischen sich dort zu einem Musikvideo über hartgesottene, goldbehangene Kerle, die sich zusammen mit ihren überschminkten Gegenparts aus Cabrios schälen, um in der angesagtesten Disco des Ghettos zu Vorstadtrhythmen zu tanzen: Man ist, was man sich leisten kann.
Von den einst so verhassten Wert der Weißen, so die leicht unentschlossene Botschaft, erben die Farbigen offenbar nicht mehr als Porsches und Daimlers in Metallic-Lackierung. Ganz umschlossen von jenen verkrusten Elementen, welche die Videowelt seit längerem etabliert, werden wir Zeugen der Früchte eines „erfolgreichen“ Assimilationsprogramms. Die Chinesen haben ihrerseits keine Westwerte aufgesogen – das Böse, das die Konflikte des Films antreibt, findet sich ungemein folgerichtig dann auch in ihren Reihen.
Was die Figur des Romeo mit der ganzen Sache zu tun hat, bleibt bis zum Schluss ein wenig nebulös. Allenfalls die Feindschaft zweier stadtführender Familien mag an das alte Verona erinnern. Von der Liebesgeschichte zwischen dem zum Romeo gestempelten Fernost-Kämpfer Jet Li und der farbigen Hiphop-Größe Aaliyah kündet der Film – man dankt – nämlich nicht. Mit einer Pathologie der Zuneigung hätte dieses Kickbox-Werk auch schlicht seine Kompetenzen überschritten.
Das geschah allerdings auch so. Die stereotypen Charaktere schaffen es trotz ihrer Konsequenz nicht, sich in Selbstironie zu erschöpfen, sondern schäumen einmal mehr jene ganze Männlichkeit aus Ehre, Rache und was sonst noch so alles in harten Kämpferseelen steckt, auf. Das wirkt so verlassen, als hätten Jackie Chan und Sylvester Stallone dem Genre nicht schon in den 80ern die ganze Unschuld genommen.
Letztlich, so die Mitteilung dieses Werkes, scheint vom Martin Luther King offenbar nicht mehr als ein hollywoodsches Bekenntnis zur Monokultur übrig geblieben zu sein: Hauptsache männlich, Hauptsache cool, Hauptsache schwarz-weiß. Wenigstens Letzteres bricht der Film in gewisser Weise auf.
(ir)