CINEMATHEK: MATRIX REVOLUTIONS

USA, 2003
Regie:
Larry und Andy Wachowski
129 Minuten, FSK: 16 Jahre

Wachowski-Brüder vollenden Trilogie

Stürme der Begeisterung löste er aus, als „Matrix“ von Larry und Andy Wachowski 1999 das Licht der Filmprojektoren erblickte: Philosophie und Action, zusammen in einem Film verpackt: Fast eine unio mystica, die Vereinigung der Gegensätze – auf der Leinwand ist eben alles möglich. Und so war er schnell geboren, der Matrix-Kult um den Cyberspace-Messias Neo (Keanu Reeves), der die Menschen aus der Scheinwelt, der Matrix, erlösen soll.
Die Zahl derer aber, die in Leder, Lack und Latex als potentielle Erlöser weltabgewandt durch die Fußgängerzone schlendern, ist deutlich zurückgegangen im letzten Jahr, besonders nach der Enttäuschung über den zweiten Teil der Trilogie „Reloaded“, der, wie der Name bereits andeutet, in mancherlei Hinsicht ein lauer Aufguss seines Vorgängers war.
Dabei war die Geschichte von Anfang an, wie die Wachowskis schon vor vier Jahren bekannt gaben, als Trilogie geplant: Während es im ersten Teil um die Befreiung Neos aus der Matrix durch Trinity, Morpheus und Co. geht, rückt im zweiten Teil das Ende des Krieges zwischen den Maschinen, die die Weltherrschaft fast vollständig übernommen haben, und den letzten überlebenden Menschen in der unterirdischen Stadt Zion, immer näher. In „Revolutions“, nun, ist die Zeit reif für die endgültige Materialschlacht.
Der im Koma liegende Neo erwacht in einer geheimnisvollen weißen U-Bahn-Station, einer Zwischenwelt zwischen der Matrix und der wirklichen Welt, aus der er aus eigenen Kräften nicht fliehen kann: Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Die Sache hat aber auch einen Vorteil, denn als er von Trinity (Carrie-Anne Moss) und Morpheus (Laurence Fishburne) gerettet und wieder in die Wirklichkeit geführt wird, wird er sich bald mit der kriegstechnisch äußerst vorteilhaften Fertigkeit ausgestattet sehen, mit einem simplen Fingerzeig zig Maschinen auf einmal den Garaus zu machen.
Bei den letzten überlebenden Menschen in Zion sieht es vergleichsweise schlecht aus: Sie sind zahlentechnisch den Maschinen weit unterlegen, ihnen droht die totale Vernichtung – klar, dass nur einer sie alle retten kann, da ist hier schließlich kein europäisches Art-House-Kino.
In „Revolutions“ kommt auch endlich der Figur des Agent Smith, dessen Betonung im zweiten Teil ein wenig unbegründet erschien, die volle Bedeutung zu: Mittlerweile hat das Virus Smith die gesamte Matrix infiziert: Überall ein Doppelgänger, der dem Helden Neo nicht nur innerhalb der Matrix das Leben schwer macht: Die fleischgewordene Spam-Mail – Hugo Weaving ist vor allem im Originalton eine wahre Köstlichkeit – raubt dem Erlöser gar das Augenlicht und erschwert ihm die ohnehin nicht ganz einfach zu bewältigende Aufgabe, die Menschheit zu erretten, zusätzlich.
Aber der Erlöser wäre nicht der Erlöser, wenn er nicht aus das meisterte – jetzt, ohne Augen, kann er nämlich erst richtig sehen: Die Welt, wie er sie nun wahrnimmt, mit dem mystischen nach innen gerichteten Blick, ist getränkt in ein Meer aus goldenem Licht – der Schleier der Maja hat sich gelüftet und führt Neo und seine Liebe Trinity mit dem Hovercraft ins Herz allen Übels: Die Machine-City, zum großen Showdown zwischen Neo und Smith.
Die mit viel Kriegs- und Freiheitspathos aufgeblasenen Kampfszenen suchen technisch natürlich wieder ihresgleichen, und obwohl das Geballere mindestens genauso lang ist wie in „Reloaded“, ist das Action-Spektakel in „Revolutions“ sehr viel spannender, weil hier die Action weniger durch die technischen Möglichkeiten, als durch die Dramaturgie der Geschichte begründet wird – auf Gutdeutsch: Weil es hier schlichtweg um die Wurst geht!
Und doch merkt man beiden Nachfolgern die mangelnde Entwicklungszeit vor allem am Drehbuch deutlich an: Die Spritzigkeit und Prägnanz der Dialoge, der Wortwitz des ersten Teils sind fast völlig abhanden gekommen, aber auch dramaturgisch gesehen ist besonders „Revolutions“ ziemlich unausgewogen: Während die erste Stunde fast ausschließlich gesprochen wird, wird in der zweiten fast ausschließlich geschossen.
Aber auch der anfänglich noch so hoch gelobte philosophische Anspruch – den die Wachowskis von Anfang an erhoben haben -, der gerade in seinen subtilen Anspielungen und Zitaten den Reiz des ersten Teils ausgemacht hat, wird mit dem zweiten und dritten Teil der Trilogie immer schwerer und neigt bisweilen stark dazu, aufgesetzt oder forciert zu wirken.
Nichtsdestoweniger ist der letzte Teil der Matrix-Trilogie technisch einwandfrei, aufwändig inszeniert, immer spannend und bis zum Schluss offen – und ein guter Action-Film braucht nicht viel mehr. (pk)