CINEMATHEK: WASCHEN SCHNEIDEN LEGEN

Waschen Schneiden Legen, BRD, 1999
Regie: Adolf Winkelmann
95 Minuten, FSK: zwölf Jahre

Ich bin, also bin ich. Was nicht unbedingt hätte bewiesen werden müssen. Guildo Horn hat es trotzdem getan. „Schneiden Waschen Legen“ heißt das Werk. Darin ist der Mann Frisör, hat aber noch immer keine Frisur. Wilde Pointe. Und auch sonst passt nichts zusammen: die Tapeten nicht zum Jahrzehnt, die Männer nicht zu den Frauen, der ganze Vorstadtkindergarten nicht zu Berlin. Aber Schieflagen sind offensichtlich Programm in diesem Film. Da vermag selbst das Brandenburger Tor, das etwas oft ins Bild rutscht, nichts mehr zu einen. Hauptsache, nichts harmoniert. Ausgerechnet im Hornschen Wohlklang-Diskurs? Immerhin das ist komisch.
Offensichtlich hat sich „der Meister“ zunehmend einen Zeitgeist zusammengeschraubt, der solange zwischen Vorschule und (möglicher) ironischer Brechung oszillierte, bis er nur noch schief war. Diesen Zustand zelebriert Horn nun als Frisör Anton Schatz, dem inkontinentesten Charakter im ganzen Werk: Er ist erwachsenes Kind, pubertierender Backfisch und Windmühlen-Romantiker in einem Aufguss.
Den Spagat, diese Wesen zusammenzuführen, spart er sich freilich. Das wirft Fragen auf: Warum brilliert Schatz singend in einem Nachtlokal, wo ihm doch sonst kaum ein Satz gelingt? Warum blickt er, als gäbe es ein paar Dinge zwischen den Zeilen, während sein Handeln diese Aussicht schnell begraben kann? Nur in einem herrscht Klarheit: Schatz hat Mamas Nussecken abgelegt, jetzt isst er nur noch Nestlés „Giottos“. Es muss sich also um eine Geschichte der Emanzipation handeln.
Und tatsächlich entlädt sich in „Waschen Schneiden Legen“ nicht weniger als die Entwicklungsskizze eines Muttersohnes, der über zwei Frauen stolpert, um sich am Ende in das Fell einer Hundedame zu vergraben. Dazu wird bis zum letzten Tropfen das serviert, was man aus Sigmund Freud pressen kann, wenn einem nach schwülen Phantasien provinzieller Unschuld ist. Bienchen und Blümchen. Klar, dass man da nur mittendrin ist, wenn man auch noch „Schatz“ heißt.
Merkwürdig nur, dass die ganzen ödipalen Herzigkeiten und sonstigen Eros-Knaller bei den Figuren keine Wallungen hervorrufen. Sie bleiben merkwürdig statisch. Externe Widrigkeiten berühren sie kaum, am wenigsten den „Meister“ selbst: Geradezu symptomatisch endet seine Kollision mit einem Cabrio ohne eine geringste Verletzung. Das ganze Panoptikum hätte sich auch ohne Handlung nicht gelangweilt – und mit ihr entwickelt es sich nicht.
Da helfen auch Busreisen von Karlsruhe nach Berlin oder Plantschspiele in Waschanlagen nicht mehr. Abenteuer wie diese stoßen die Figuren noch vor ihrem Eintritt von ihrer Seele ab. Nicht umsonst mutiert ausgerechnet die Vokabel „Busfahrer“ schon in den ersten Minuten zum Schimpfwort. Fahren, das hieße Veränderung, aber diese etwas zu normalen Menschen wollen einfach nur unverblümt existieren. Daran ändert sich auch nichts, als Anton Schatz mit seiner liebsten Floristin vom Laden gegenüber tatsächlich von der Provinz in die Bundeshauptstadt aufbricht – die Frau heiratet trotzdem einen anderen.
Das ist konsequent, hat Herr Schatz doch selbst die größte Furcht vor Veränderungen aller Art. So schneidet er, der Frisör, auch bis zur letzten Minute keine einzige Frisur zurecht. Der Zopf, der sich bis dahin gebildet hat, ist freilich zum Haareraufen: Ich bin, also wird’s verfilmt.
(jr)